Am 31. Mai erlebt Brechts „Dreigroschenoper“ in der Hartharena eine Neuaufführung.

Hartha braucht drei Mackie Messers

38 Zehntklässler des Gymnasiums haben sich im Rahmen des künstlerischen Profils der Schule des Stoffes angenommen. Weil so viel Text zu lernen und Lieder zu singen sind, muss jeder Charakter doppelt besetzt werden. Die Hauptrolle gibt es gar dreifach.

Von Sebastian Fink/Fotos Sven Bartsch

„Man muss schon einen ziemlichen Knall gehabt haben, um so etwas zu komponieren“, sagt Paul Watzl während der Proben im Musikraum oberhalb der Bühne in der Hartharena. Und das meint der 15-Jährige gar nicht despektierlich gegenüber dem Komponisten Kurt Weill, der die Musik für Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ schrieb.

Es ist Dienstagnachmittag und wie jede Woche haben sich hier oben eine Handvoll Schüler versammelt, die in der Aufführung des Stücks am 31. Mai Instrumente spielen und singen. Paul Watzl hat die Hauptrolle des Macheath, genannt Mackie Messer, ergattert. „Ich musste mich erstmal an die Lieder herantasten, aber das hat schnell geklappt. Mein Lieblingsstück ist sein Solo, die Grababbitte. Darin beschimpft er die Huren und die Polizei und entschuldigt sich gleichzeitig“, erzählt Paul fasziniert. Für ihn könne schon morgen Premiere sein, sagt er selbstbewusst.

Für seine Mitstreiter in der Rolle des Mackie Messer gilt das noch nicht. Nils Ziegenbalg und Lucas Hühler bereiten sich auf die Sprecheinsätze der Hauptfigur vor. Beide haben sich zunächst nicht um die anspruchsvolle Rolle gerissen. „Ich wollte gar nicht so ins Rampenlicht“, sagt Nils. „Und ich wollte eigentlich Peachum spielen“, meint Lucas. Letzterer hat schon Theatererfahrung, spielt seit zwei Jahren im Jugendtheater Döbeln mit. Inzwischen hat er sich mit der Rolle angefreundet, auch wenn das viele Textlernen manchmal etwas die Lust nehme. „Mal böse sein, macht Spaß. Ich habe ihn mir immer wie Christoph Waltz in James Bond vorgestellt“, sagt er. Schauspieler wolle er dennoch nicht werden. Dies wiederum könnte sich Nils gut vorstellen. „Sich in die Rolle hineinzudenken, macht Spaß“, sagt er.

Auf der Bühne wird am Ende wohl nur einer von beiden stehen, der andere sichert die Aufführung ab. Auch die anderen Rollen sind mehrfach besetzt. „Wir haben so viele Schüler, dass wir die Figuren in Sprech- und Gesangsrollen aufgeteilt haben“, sagt Torsten Kittler, Lehrer für Deutsch und Geschichte am Gymnasium und einer von drei Leitern des Theaterprojekts. Seit Schuljahresbeginn proben er und seine Kollegen Ulrike Hansch und Tobias Merker mit den 38 Schülern des künstlerischen Profils der Schule jeden Dienstagnachmittag für 90 Minuten.

Die Aufführung ist der Abschluss der dreijährigen Profilphase. Vor zehn Jahren wurde dieses an der Schule eingeführt. Die Vorstellung Ende Mai ist die siebte seither. „In der achten und neunten Klasse arbeiten die Schüler an anderen künstlerischen Projekten, in der zehnten Klasse ist das Theater dran“, erklärt Kittler, der für die Inszenierung zuständig ist. So wurden bislang unter anderem Romeo und Julia, Ein Sommernachtstraum oder Dürrenmatts Besuch der alten Dame aufgeführt.

Die Dreigroschenoper war ein Wunsch von Musiklehrer Tobias Merker, zugleich Regisseur und musikalischer Leiter. „Die ursprüngliche Idee der Schüler war zu schwierig. Unser musikalischer Leiter ist Brecht-affin und wir haben viele Gesangs- und Tanztalente, da passt das gut dazu“, meint Ulrike Hansch, die sich um Kostüme und Maske kümmert.

Grundsätzlich schultern die Schüler den Löwenanteil an dem Projekt selbst. „Sie bauen das Bühnenbild, suchen die Kostüme aus, machen Werbung für das Stück“, sagt Hansch. So geht es während der Proben nicht nur um Textzeilen, Bewegungen und Spiel, sondern auch um Druckaufträge für Plakate und Flyer. Für die Kostüme können sich die Schüler noch aus dem reichhaltigen Fundus der früheren Musical Company bedienen.

Voll eingekleidet zeigt sich bei dieser Probe bereits Celine Berger. Die 16-Jährige spielt die Rolle der etwas widerspenstigen Celia Peachum. „Man sagte zu mir, man glaube, das Kratzbürstige kann ich ganz gut spielen“, erzählt sie und verzieht dabei etwas das Gesicht. „Ich finde mich selbst gar nicht so kratzbürstig, aber es ist für mich eine der besseren Rollen, die man spielen kann. Sie ist nicht so naiv und hat eine eigene Meinung“, sagt Celine.

Schauspielerei sei ihr dringlichster Berufswunsch. Auch sie ist im Döbelner Jugendtheater aktiv, probt parallel für das neue Stück „Silent Voices – Stimmen im Kopf“, welches am 21. April Premiere feiert und einen Tag später ein zweites Mal im Döbelner TiB aufgeführt wird. Für die ehrgeizige Schülerin ist die Vorbereitung auf zwei Rollen zugleich kein Problem. „Die Rollen haben ein ganz unterschiedliches Niveau, sind komplett anders“, meint sie.

Das neuere Stück liege ihr dabei mehr, wobei sie zugleich Respekt für Brechts Arbeit empfindet. „Ich kann mir gut vorstellen, dass das mal der Renner war. Er wollte das Theater revolutionieren. Das ist das, was man machen sollte – etwas Neues auf die Bühne zu bringen und neue Denkweisen zu zeigen“, sagt sie.

Dazu haben die Harthaer Gymnasiasten noch zwei Monate Zeit. Im Mai gibt es noch zwei zusätzliche Proben an Wochenenden, dann muss die Aufführung stehen. Wer dabei sein will, muss nur rechtzeitig vor Vorstellungsbeginn am 31. Mai um 18 Uhr in der Hartharena sein. Karten gibt es an der Abendkasse. Den Preis kann jeder Besucher selbst bestimmen.

Döbelner Allgemeine Zeitung, 29.03. 2018