Harthaer auf Zeit: Austauschschüler blicken auf die Region

Sie sind nach Mittelsachsen gekommen, um Deutsch zu lernen: Grace, Carmela, Alexander, Robin und Kristina sind derzeit als Austauschschüler am Harthaer Gymnasium zu Gast. Die DAZ sprach mit ihnen, wie sich das Leben in Deutschland für sie anfühlt.

„I don’t speak German.“ – „Ich spreche kein Deutsch“, sagt die 18-jährige Carmela. Noch nicht: Zusammen mit dem 16-jährigen Robin ist sie der jüngste Neuzugang am Harthaer Martin-Luther-Gymnasium. Die beiden sind über Schüleraustauschprogramme nach Deutschland gekommen, um Menschen, Sprache und Kultur kennenzulernen. Erst seit zwei Monaten leben sie bei Gastfamilien in Beiersdorf und Altleisnig.

Ohne Deutschkenntnisse von Uruguay nach Sachsen

Während Robin, der aus der Nähe von Montpellier im Süden Frankreichs kommt, bereits in seiner Schule Deutschunterricht hatte, ist die Sprache für die junge Frau aus Uruguay neu. Sie lebt sonst in Salto im Südosten Südamerikas. Derzeit erschwert ihr den Start, dass ihre Mitschüler sich scheuten, Englisch zu sprechen. „Ich finde, die Schüler, mit denen wir Unterricht haben, können ziemlich gut Englisch. Aber sie sprechen es kaum“, erklärt die 18-jährige Kristina, die für sie übersetzt.

Mit Bundestags-Stipendium nach Leisnig

Sie ist Amerikanerin, auch in Hartha zu Gast und mit Grace (17) und Alexander (18) angekommen. Alle drei kommen aus dem Westen der USA: Kristina aus Dayton, Nevada, Grace aus Gridley in Kalifornien und Alexander aus Portland, Oregon. Die drei sind seit August über das Parlamentarische Patenschafts-Programm hier, für das der Deutsche Bundestag einjährige Stipendien vergibt. Nach einem Monat Intensivsprachkurs in Würzburg kamen sie zu Gastfamilien in Schönerstadt, Minkwitz und Leisnig.

Sternenhimmel statt Großstadt

„Ein Riesenunterschied!“, erzählt Alexander. „Portland ist eine Großstadt mit mehr als einer Million Einwohnern.“ Nachts könne er hier die Sterne sehen, was in seiner Heimatstadt fast nie möglich sei. Auch für die anderen beiden ist die eher ländlich geprägte Gegend ungewohnt.

Kein Auto zu haben, schränkt ein

„Es ist komisch ohne Auto“, bemerkt Kristina. Bis 18 warten zu müssen ist für die US-Amerikaner, die mit Mitte 15 bereits mit Begleitung Auto fahren dürfen und ab 16 allein, „so spät“. Jugendliche seien hier mehr von ihren Eltern abhängig. Nicht nur beim Fahren: Alle drei berichten, dass es befremdlich für sie war, dass sie ihre Wäsche nicht selbst machen mussten. „Aber das ist doch ganz normal“, sagt Robin verwundert.

Hausschuhe machen kleinen Unterschied

„Ich finde Deutschland sehr ordentlich und organisiert“, stellt Kristina fest. Dennoch sei das Leben ähnlich zu Amerika. „Aber es gibt viele kleine Unterschiede“, fügt Alexander hinzu. Carmela aus Uruguay fällt dazu ein, dass man hier die Schuhe in der Wohnung auszieht oder gar Hausschuhe hat. Aus dem Mund von Kristina, klingt das auch nach einer Vokabel, die sie erst lernen musste.

Deutsche leben sicher, aber schweinefleischlastig

„Es ist hier sehr viel sicherer“, erzählt Carmela weiter. Das bestätigen auch die Nordamerikaner: Nachts könnten sie in ihrem Land nicht überall unterwegs sein. Uneins sind sie hingen bei einem Thema: Dem Fleischgenuss der Deutschen. „Wir finden, es gibt viel Fleisch, aber Carmela sagt, die Deutschen essen kaum Fleisch“, erzählt Kristina. Schwein gebe es zudem relativ selten, erzählt Grace. Bei „Steak“ denke sie daher, es gebe Rind: „Aber es ist immer Schwein.“

Bier, Brötchen und Brot bringen Franzosen in Not

Auch viel Brot gebe es hier, wobei das, was hier als amerikanischer „Toast“ laufe, dort so gar nicht verzehrt werde und eher als Arme-Leute-Essen gelte, verrät Kristina.

Beim Thema Essen schaltet sich auch Robin ein: Er vermisse Baguette, leidet ein bisschen unter „Bier, Brot, Brötchen und Fleisch“, sagt er wohlwissend ein Klischee zu bedienen. Die Amerikaner hingegen vermissen die Erdnussbutter-Sorten, die es bei ihnen zuhauf gibt. Noch etwas ist ihnen aufgefallen: Während sie ihre Hauptmahlzeit am Abend essen, werde in Deutschland eher zu Mittag gegessen.

Gasteltern gesucht

Inez Bardehle, die die Austauschschüler betreut, sucht für das kommende Schuljahr wieder Gastfamilien. Wer sich bewerben möchte, kann sich telefonisch bei ihr unter 0176/ 96335633 melden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.give-highschool.de.

Von Manuel Niemann

Döbelner Allgemeine Zeitung,17.04.2018