Neue Gesichter an der Schule

Das Martin-Luther-Gymnasium hat mit Carmela und Robin zwei neue Gastschüler. Dabei werden auch Vorurteile abgebaut.

Von Eric Mittmann; Bild ©Dietmar Thomas

Robin Flanden und Carmela Muguerza besuchen derzeit als Austausch- und Gastschüler das Martin-Luther-Gymnasium in Hartha. In den kommenden Monaten wollen beide zudem das Land bereisen und mehr von Deutschland sehen.

Hartha. Es ist wohl eines der größten Abenteuer, auf das sich Jugendliche begeben können: Als Austauschschüler in ein fremdes Land zu reisen, Menschen und Kultur kennenzulernen und für einige Monate ein anderes Leben zu führen.

Eben dieses Abenteuer unternehmen seit einigen Wochen Carmela Muguerza und Robin Flanden am Martin-Luther-Gymnasium in Hartha. Die 18-Jährige aus Salto, Uruguay und der 16-Jährige aus dem französischen Montpellier sind Teil verschiedener Austausch- und Gastschülerprogramme, über die sie nun die Gelegenheit erhalten, einige Zeit den Alltag an einer deutschen Schule hautnah zu erleben. Sie wohnen bei einer deutschen Familie und bereisen mit ihr und ihren neu gefundenen Freunden das Land.

Robin, 16, aus Frankreich

Im Fall von Robin wird dies über das Voltaire-Programm des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW) durchgeführt, welches es Austauschschülern ermöglicht, für sechs Monate in einem der beiden Länder zu leben. Darüber hinaus ist Robin in einer speziellen Klasse, wie er es beschreibt. „Wir haben drei Jahre lang Unterricht, schreiben danach das Abitur, sowohl in Deutsch als auch Französisch. Dann steht noch ein Auslandsaufenthalt von drei bis sechs Monaten an.“

Der Schüler aus Montpellier hat sich für sechs Monate entschieden, die er nun bei Familie Jacob in Altleisnig verbringt. „Es ist interessant, in einer so anderen Umgebung zu sein. In Frankreich lebe ich in einer Stadt mit mehr als 10 000 Einwohnern. Altleisnig ist da schon etwas kleiner.“

Wenn Robin im August nach Frankreich zurückkehrt, wird ihn Madlen Jacob vom Martin-Luther-Gymnasium begleiten und für sechs Monate bei seiner Familie wohnen. Zuvor möchte der 16-Jährige jedoch noch einiges mehr von Deutschland sehen. „Wir waren bereits für einen Tag in Berlin und haben uns den Bundestag sowie das Brandenburger Tor angeschaut. Das war ziemlich cool und wir planen bereits, mehr von der Stadt zu sehen“, erzählt der Austauschschüler. „Als Nächstes würde ich jedoch gern Dresden und Leipzig besuchen. Darüber hinaus fahren wir im Juni an die Nordsee und verbringen auch einen Tag in Hamburg.“

Vorurteile, die Robin zuvor Sorgen bereiteten, konnte er mittlerweile ablegen. „Ich wurde gewarnt, dass die Deutschen ständig Bier trinken und die Menschen in Sachsen einen furchtbaren Akzent hätten. Das trifft natürlich alles nicht zu. Meine Gastfamilie verstehe ich problemlos. Nur bei meinen neuen Großeltern muss ich hin und wieder etwas genauer hinhören“, so der 16-Jährige.

Carmela, 18, aus Uruguay

Carmela hingegen ist als Gastschülerin des Programms „Auslandsjahr für Schüler“ (AFS) in Deutschland. „Eine Freundin meiner Mutter arbeitet als Freiwillige für das Programm, das Auslandsaufenthalte in vielen verschiedenen Ländern anbietet. Ich wollte jedoch einen Ort, an dem die Menschen Englisch sprechen können. Außerdem möchte ich nun auch ein wenig Deutsch lernen“, sagt die 18-Jährige.

Ihr Auslandsjahr verbringt sie bei einer Familie in Beiersdorf. „Der Ort ist sehr abgeschieden und ich kann noch nicht allzu viel darüber sagen, weil ich erst seit Kurzem hier bin“, so das Mädchen aus Uruguay. „Ich war allerdings schon kurz in Leipzig und habe den Zoo sowie das Ägyptische Museum besucht. Nun möchte ich am liebsten alles sehen.“

Vor allem das Essen gefalle ihr. „Die Menschen in Deutschland essen viel Brot und Fleisch, was für mich gut ist, denn auch in meinem Land gibt es jede Menge Fleisch. Darüber hinaus leben die Leute hier viel gesünder als in Uruguay. Es gibt so viel Gemüse.“

Konversationen seien zwar noch etwas schwierig, „aber meine Familie ist wirklich nett und zuvorkommend und mit der Zeit wird sich sicherlich auch das geben.“

Einzig die Kälte macht ihr noch etwas zu schaffen. „Man muss seine Kleidung ja ständig darauf einstellen. So etwas bin ich von Zuhause gar nicht gewohnt“, sagt sie.

Döbelner Anzeiger, 17.03. 2018