Eine zweite Heimat: Von Aberystwyth nach Hartha

Rhiannon James macht eine Fremdsprachenassistenz am Harthaer Gymnasium. Die junge Frau aus Wales fühlt sich hier wohl und erzählt, wo sich Sachsen und Waliser ähnlicher sind als gedacht.

Aberystwyth in Wales. Die kleine Stadt mit dem unaussprechlichen Namen ist die Heimat von Rhiannon James. Seit September hat sie jedoch in Hartha ihr temporäres Zuhause gefunden. Dort ist Rhiannon als Fremdsprachenassistentin am Martin-Luther-Gymnasium.

Großbritannien hautnah

Dass sie für ihren Auslandsaufenthalt nach Hartha geht, war eine bewusste Entscheidung der 23-jährigen Waliserin: „Ich fühle mich hier sehr wohl und willkommen. Es ist alles ein bisschen wie bei mir zu Hause.“ Durch den „British Council“ – einer Behörde für internationale Kulturbeziehungen und Bildungschancen – wurde sie auf das Assistenzprogramm aufmerksam. In Hartha will sie nicht nur Deutsch und Deutschland kennenlernen, sondern den Schülern am MLG auch ihre Sprache und Kultur näherbringen. Dafür ist sie im Englischunterricht dabei und trifft sich mit den Schülern zu „Conversation Classes“. Dann wird geplaudert, über englische Filme und das Leben, manchmal gibt es traditionelles britisches Gebäck und Tee. Den Abiturienten hilft sie bei den Vorbereitungen für die mündlichen Prüfungen.

Die Schüler profitieren von Rhiannon. Sie ist nicht nur für ihre schulischen Leistungen, sondern auch menschlich eine Bereicherung, erklärt Katja Hoffmann. Sie unterrichtet Englisch und Russisch am MLG. „Rhiannon ist ein unglaublich positiver und unkomplizierter Mensch. Das macht auch die Arbeit mit den Schülern leichter.“ Die seien Rhiannon gegenüber sehr aufgeschlossen und haben zum Beispiel mittlerweile weniger Hemmungen, einfach auch Englisch drauf los zu reden. Aber auch Rhiannon musste sich erstmal überwinden. Als sie das erste Mal vor der Klasse stand, war sie nervös. „Aber meine Mutter ist Lehrerin, da habe ich mir ein paar Tipps geholt“, erklärt sie. Außerdem ist auch immer ein Lehrer mit dabei.

Sachsen ist besonders

In Wales studiert Rhiannon Architektur. Im Herbst geht es für sie zurück an die Universität. Vorher möchte sie aber noch so viel wie möglich von Deutschland kennenlernen. Der Osten der Republik hat es ihr angetan. Sie war schon in Leipzig, Dresden, Chemnitz und trifft sich mit anderen Fremdsprachenassistenten aus ganz Deutschland. Besonders das Essen sei anders. „In Deutschland wird richtig gefrühstückt. Bei uns gibt es oft nur Müsli. Und das Brot. Das Brot ist so lecker“, erzählt sie. Wenn am Wochenende schulfrei ist, besucht sie andere Orte in der Gegend. Dann versucht sie auch, so viel Deutsch wie möglich zu sprechen. Das hat sie selber in der Schule gelernt. Der sächsische Dialekt bereitet ihr keine Probleme. „Es ist ein bisschen wie zu Hause. In Wales sprechen die Menschen auch anders als in England.“

Rhiannon ist angekommen in Hartha. So gut, dass sie nun überlegt, doch noch ein paar Monate länger zu bleiben. Oder eines Tages vielleicht ganz nach Deutschland zu ziehen. Nur eine Sache fehlt ihr hier. „In Aberystwyth haben wir das Meer direkt vor der Tür.“

Foto 1: Die Waliserin Rhiannon James mit der Klasse 6a.

Foto 2: Die Waliserin Rhiannon James ist am Harthaer Martin-Luther-Gymnasium als Fremdsprachenassistentin unterwegs. Quelle: Vanessa Gregor

Döbelner Allgemeine Zeitung,16.01.2020