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Eltern, Lehrer und Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums kämpfen für ihren bewährten Essensanbieter. Droht ein Qualitätsverlust, weil der Landkreis Verträge vereinheitlichen will?
Von Sylvia Jentzsch
Hartha/Freiberg.
Die Schüler, Eltern und Lehrer des Harthaer Martin-Luther-Gymnasiums sind mit ihrem Essensanbieter DLS Dienstleistungs- und Service GmbH aus Radeberg zufrieden. Die Beilagen werden direkt in der Küche der Schule zubereitet. So sollte es auch bleiben. Das zeigt eine Unterschriftenaktion, an der 267 Eltern, 140 Schüler und 25 Lehrer teilgenommen haben. Das Ergebnis ist eindeutig: Alle sprechen sich für den Erhalt von DLS aus.
Die Verwaltung des Landratsamtes hatte Ende 2025 das Catering für vier Schulen neu ausgeschrieben. Und zwar so, dass Caterer, die wie DLS vor Ort kochen, ausgeschlossen waren. Am Montag sollte zur Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses in Freiberg der Auftrag an den neuen Caterer vergeben werden.
Landkreis will einheitliche Verträge
„Die Ausschreibung ist notwendig, um alle Schulen in Trägerschaft des Landkreises nach und nach auf einheitliche Füße zu stellen, da es unterschiedliche Konditionen für die Betreiber gibt“, so der erste Beigeordnete Dr. Christoph Trumpp. Viele Verträge seien sehr alt, historisch gewachsen und könnten nicht beliebig verlängert werden. Die Anbieter zahlen nichts für die Raumnutzung.
Eine Ausschreibung alle drei bis vier Jahre sei in der öffentlichen Verwaltung üblich. In allen Einrichtungen sollen stufenweise die DGE-Vorgaben eingehalten und Essen zu angemessenen Preisen angeboten werden.
Trumpp räumte ein, dass die Kommunikation mit den Schulen vor der Ausschreibung nicht optimal gelaufen sei.
Das Landratsamt stellt den Caterern die Räume für die Essenausgabe zur Verfügung. Die Betreiber müssen die Nebenkosten wie Wasser und Strom tragen. Diese würden in einer Einrichtung, und damit ist Hartha gemeint, exorbitant hoch ausfallen. Allerdings versäumte es der Kreis als Träger bisher, einen Unterzähler einzubauen, um den Energiebedarf der Küche exakt zu ermitteln.
„Eigentlich ist die Speisezubereitung in Hartha nicht möglich, da baulich nicht zulässig“, so Christoph Trumpp. Die Rede ist von einem fehlenden Fettabscheider, ungeeigneten Abflüssen und kalkhaltigem Wasser. Wie hoch die Kosten sind, um diese Mängel zu beseitigen, wurde nicht öffentlich besprochen. „Am Harthaer Gymnasium besteht ein massives Interesse, dass der Anbieter bleibt“, so Sven Weißflog, Kreisrat der Freien Wähler. Er plädierte für ein Aussetzen des Beschlusses für ein Jahr. Weißflog hatte sich vor Ort umgesehen und nach Lösungen gesucht. So könnten die hohen Stromkosten durch eine PV-Anlage minimiert werden. Ein Problem sieht der Kreisrat in den 90 Plätzen in der Mensa bei etwa 500 Schülern. „Muss die Essensversorgung denn überall gleich sein?“, fragte SPD-Kreisrat Axel Buschmann. Bei der Ausschreibung sei von vornherein der derzeitige Caterer ausgeschlossen worden, weil nur ein „Cook & Hold“, also eine Anlieferung und Ausgabe unter der Maßgabe der DGE-Vorgaben, angefragt wurde. Buschmann kritisierte, dass die Mitglieder der Schulkonferenz nicht mitgenommen worden sind. Er als Elternvertreter des Döbelner Gymnasiums in städtischer Trägerschaft kenne das anders. Buschmann beantragte Rederecht für einen Schulvertreter.
„An unserem Gymnasium waren die Schüler mit dem Anbieter nicht zufrieden. Deshalb haben wir neu ausgeschrieben“, so Sven Liebhauser, CDU-Kreisrat und Oberbürgermeister von Döbeln. Die Stadt habe sich aber mit Vertretern der Schulkonferenz an einen Tisch gesetzt und Kriterien festgelegt. Liebhauser plädierte für die Zurückstellung des Beschlusses.
AfD-Kreisrat Jens Tamke befürchtet, dass nach einem Wechsel weniger Schüler das Angebot des Caterers in Anspruch nehmen. Man könne frisch gekochtes Essen nicht mit vorgehaltenen Speisen vergleichen.
Andreas Binder als Vertreter der Schulkonferenz des Gymnasiums machte deutlich, dass die Essensversorgung der Schüler kein Randaspekt, sondern eine Notwendigkeit im Schulalltag des Gymnasiums mit ausgeprägtem Ganztagsprofil ist. „Viele Schüler verlassen gegen 6 Uhr das Elternhaus und kommen erst gegen 17 Uhr zurück. Für sie ist das Mittagessen ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung. Daraus erwächst die besondere Verantwortung für die Qualität des Schulessens“, so Andreas Binder.
Aus Sicht der Schulkonferenz bestand keine erkennbare Notwendigkeit für einen Wechsel. „Ein Zuschlag an einen Anbieter mit stark standardisierter Massenproduktion wird zwangsläufig qualitative Unterschiede mit sich bringen. Und das trifft unmittelbar unsere Kinder“, sagte Binder.
Den Harthaern fehlt die Transparenz für die von der Landkreisverwaltung getroffene Entscheidung. „Sollten das bauliche Zwänge sein, dann verweise ich darauf, dass der Mensabereich erweitert werden sollte. Das Vorhaben wurde seit zehn Jahren immer wieder verschoben. Hier handelt es sich um ein hausgemachtes Problem“, so Andreas Binder. Er kritisierte, dass die Nutzer nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden wurden.
Wie es nun weiter geht
„Nach unseren Informationen wurde bei der Vergabe der Preis zu 60 Prozent gewichtet. Das halten wir für fragwürdig, weil sich das auf die Qualität der Schulverpflegung auswirken wird“, so Binder. Da sich der Landkreis nicht an der Finanzierung der Mahlzeiten beteiligt, müssten die Interessen der Schüler und Eltern bei der Wahl des Caterers berücksichtigt werden. Aus Sicht der Schulgemeinschaft ist das nicht erkennbar. Die Qualität des Schulessens sei ein Standortfaktor. Ein spürbarer Qualitätsverlust könne die Attraktivität der Schule beeinträchtigen.
„Die Essensversorgung ist ein sensibles Spannungsfeld. Die Speisen sollen schmecken und die Eltern finanziell nicht außerordentlich belastet werden“, so Landrat Sven Krüger (parteilos). Der Landrat sagte, bei einer Ablehnung des neuen Anbieters sei mit dessen Widerspruch und eventuell Schadensersatzforderungen an das Landratsamt zu rechnen.
Würden die notwendigen Arbeiten an der Schulküche in Hartha umgesetzt, gehe der Bestandsschutz verloren und es könnte zu brandschutztechnischen Forderungen kommen. „Wir würden gern eine neue Mensa bauen, sind dazu aktuell aber nicht in der Lage.“
Der Landrat schlug vor, die Vergabe für die Essensversorgung für das Harthaer Gymnasium zu verschieben, wohl wissend, dass dem Landkreis möglicherweise eine niedrige vierstellige Summe als Schadensersatz erwarte. Dem stimmten die Kreisräte mehrheitlich zu. „Wir versuchen, eine Lösung zu finden“, so Krüger. Sven Liebhauser meinte, dass das trotz Risiko das richtige Signal ist.
Foto: Lutz Weidler /Amèlie und Carolin aus einer 8. Klasse des Harthaer Gymnasiums schmeckt das von DLS Radeberg teils frisch vor Ort zubereitete Essen.
Sächsische Zeitung, 04.03.2026