Fairness – Im Sport und im Alltag

Soccer-Tour bietet in Schulen Workshops zu sozialen Themen an

Zum dritten mal soll im Mai kommenden Jahres in der Hartharena die Soccer-Tour, organisiert von der Deutschen Soccer Liga e.V., ausgetragen werden. Doch die Veranstalter wollen den teilnehmenden Schülern mehr als nur den sportlichen Wettkampf bieten. Am Mittwoch waren Mitarbeiter des Vereins im Martin-Luther-Gymnasium Hartha und boten Workshops für alle Interessierten an.

Denn die Soccer-Tour ist mehr als Fußball. Fairplay wird großgeschrieben. Beim Spiel mit dem Ball, aber auch in allen anderen Lebenslagen. Die Organisatoren wollen die Anziehungskraft des Sports nutzen und interessierten Schülern Wissen vermitteln und sie für einen fairen und sozialen Umgang mit Menschen, der Gesellschaft und auch unserer Umwelt sensibilisieren.

Die Workshops spielen dabei eine wichtige Rolle und das Interesse der Schüler ist groß. Auf Grund der hohen Nachfrage finden gleich zwei Workshops parallel statt. Im „Fairpayer“-Workshop soll den Schülern eine „finanzielle Allgemeinbildung“ vermittelt werden, sagt David Hauschild, Bildungsreferent der Deutschen Soccer Liga. „Wie funktionieren eigentlich Steuern? Wie funktionieren Zinsen? Das wollen wir erklären.“ Aber es geht auch um Gerechtigkeit im Handels- und Finanzmarkt. „In einem kleinen Spiel machen wir den Schülern erfahrbar, wie es überhaupt ist, an einem Markt zu Handeln.“

Lillie, 14, ist positiv überrascht: „Wir lernen hier spielerisch Sachen, die im Lehrplan nicht stattfinden.“ Lillie möchte später selber einmal in der Finanzbranche arbeiten und auch die Fairness in der Finanzwelt ist ihr wichtig: „Niemand soll über den Tisch gezogen werden!“

Im Nachbarraum findet der Workshop „Nachhaltige Ernährung“ statt. Die Umweltauswirkungen der eigenen Ernährungsgewohnheiten sollen betrachtet werden. „Ein wichtiges Thema“, finden Julius und sein Klassenkamerad Sebastian.
Julius hat sich bewusst für dieses Seminar entschieden. Ihm ist Nachhaltigkeit generell sehr wichtig. Für ihn sei zwar nicht viel Neues dabei gewesen. Aber es sei gut, dass es so einen Workshop gäbe: „Ich glaube, vielen Schülern ist Nachhaltigkeit leider nicht so wichtig.“

Julius und Sebastian haben sich unabhängig vom Fußballturnier für den Workshop angemeldet.

Auf den ersten Blick haben Fußball und Workshops zu sozialen Themen wenig gemein. Wenn dann im nächsten Jahr der Ball rollt, steht aber auch auf dem Platz der Aspekt der Fairness im Vordergrund. Das Besondere: Zu Beginn eines jeden Spiels haben die Teams jeweils sechs „Fairplay-Punkte“ auf seinem Konto. Es gibt keinen Schiedsrichter, die Teams entscheiden selber über Regel-auslegung und -umsetzung. Ist das Spiel vorbei geht es weiter in einer Diskussionsrunde. Zusammen mit den so genannten Fairplay Botschaftern diskutieren die Teams die Situationen in denen es zu Regelverstößen kam und wie mit diesen umgegangen wurde. Jedes Foul, jedes Fehlverhalten gibt Punkteabzug. Am Ende wird das sportliche Ergebnis mit den Fairplay-Punkten verrechnet. Es sind auch schon Teams weitergekommen, die fußballerisch vielleicht weniger talentiert waren, sich aber einfach fairer verhalten haben, sagt Gabriela Oettrich, Fachleiterin für Sport und Gesellschaftswissenschaften am Martin-Luther-Gymnasium in Hartha.

Von Tim Niklas Herholz

Bild: Schüler und Workshop-Leiter diskutieren über die weltweiten Umweltauswirkungen der eigenen Ernährungsgewohnheiten. Foto: Sven Bartsch

DAZ, 15.10.2020