Hartha punktet mit innovativer Idee und bekommt 300.000 Euro

Dresden/Hartha Die Stadt plant eine Kooperation zwischen den Schulen und dem Kurt-Schwabe-Institut. Die Idee überzeugte den Freistaat aber erst im zweiten Anlauf.

VON MARIA FRICKE

Wie sieht eigentlich DNA aus? Und wie eine einzelne biologische Zelle? Unter einem Mikroskop ist das gut zu erkennen. Doch kaum einer hat so etwas zu Hause. Für die Mitarbeiter des Kurt-Schwabe-Institutes sind solche Geräte Alltag. Das Forschungszentrum mit Sitz in Meinsberg beschäftigt sich mit physikalischer Chemie und Elektrochemie sowie Sensorik. Und will sich nun auch Schülern öffnen.

Möglich macht das ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Hartha. Diese will zukünftig das Institut mit den Schülern des Martin-Luther-Gymnasiums sowie der Pestalozzi-Oberschule zusammenbringen. Dafür gab es am Mittwoch vom Freistaat 300.000 €. Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) hatte die Idee zu dem Projekt beim Wettbewerb „Ideen für den ländlichen Raum" des Sächsischen Staatsministeriums für Regionalentwicklung eingereicht. Und damit bei der Jury, in der unter anderem auch Arnold Liebers, Superintendant des Kirchenbezirks Leisnig-Oschatz i.R.. saß, Eindruck gemacht.

Insgesamt 362 Projektvorschläge wurden beim Ministerium eingereicht. Doch nur 70 Teilnehmer sind mit einem Preisgeld bedacht worden. Exakt 4,83 Millionen Euro sind ausgeschüttet worden. Im Modul Land/Kommune, in dem sich 84 Städte und Gemeinden beworben hatten, wurden 20 ausgezeichnet, obwohl eigentlich anfangs nur 15 Preisträger in dieser Kategorie geplant waren. Doch die Jury sei von den Ideen so beeindruckt gewesen, dass sie die Zahl auf 20 erhöht habe, erklärte Staatsminister Thomas Schmidt (CDU). Nur insgesamt vier Wettbewerbsteilnehmer haben wie die Stadt Hartha 300.000 Euro erhalten. Verteilt wurden unter den Gesamtsiegern Summen ab 5.000 Euro.

An dem Harthaer Projekt hatte die Jury besonders die Verbindung zwischen den Bürgern vor Ort und dem Forschungsinstitut beeindruckt, sagte Heiko Vogt, zuständiger Referent im Staatsministerium für Regionalentwicklung. Ein Forschungsinstitut dieser Große sei im ländlichen Raum nicht selbstverständlich. Über die Verbindung zu dem Institut soll den Jugendlichen auch gezeigt werden, welche Perspektiven es für sie beruflich in der Region geben kann. In der bevorstehenden Zusammenarbeit sieht Staatsminister Schmidt auch eine Vorbildfunktion. „Die Preisträger sollen auch zum Nachahmen anregen."

Anschubfinanzierung gesichert

Auf vielfaltigen Wegen soll die Zusammenarbeit zwischen dem Institut und den Schulen erfolgen. So ist unter anderem geplant, dass interessierte Zehntklässler mit naturwissenschaftlichem Profil vom Gymnasium Praktika in dem Institut machen. Für Schüler der Abiturstufe ist denkbar, eine besondere Lernleistung in Zusammenarbeit mit der Einrichtung zu erbringen. Auch in Hinblick auf die Berufs- sowie Studienorientierung sei ein Austausch geplant. „Für unsere Schule ist das Projekt auch ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem wir den Schülern zeigen können, was es vor Ort alles Tolles gibt", so Schulleiterin Heike Geißler. Doch auch die Lehrer sollen davon profitieren und im Zuge einer schulinternen Fortbildung durch die Experten aus Meinsberg auf den neusten Stand der Forschung gebracht werden.

Kollegin Dagmar Hardege von der Pestalozzi-Oberschule begrüßt das Projekt ebenfalls. „Durch das Institut können im Unterricht ganz andere Impulse gegeben werden", sagte sie. Der Umgang mit den Menschen aus der Praxis tue den Schülern gut und bringe den ein oder anderen vielleicht dazu, über seine Berufswahl noch einmal nachzudenken.

Starten wird das Projekt in diesem Schuljahr aufgrund der Corona-Krise voraussichtlich nicht mehr. „Da bin ich ziemlich sicher", so Heike Geißler. Als Laufzeit sind zunächst drei Jahre geplant. Doch laut Institutsdirektor Prof. Dr. Michael Mertig und Ronald Kunze soll das Projekt langfristig angelegt sein. Das Preisgeld ist eine Anschubfinanzierung. Das kann noch mit Fördermitteln angereichert werden. Wir hoffen, dass das Projekt später zum Selbstläufer wird", äußerte sich Kunze.

Stadtrat hatte die Idee

Entstanden sei die Idee zu dem Projekt über den Harthaer Stadtrat Dr. Wolfgang Fichtner, der am Institut arbeitet. Gemeinsam mit Institutsdirektor Mertig und dem Gymnasium sei ein Konzept entwickelt worden, in das die Stadt auch die Oberschule integriert hat. Schon im vergangenen Jahr hatte die Kommune sich mit der Idee bei dem Wettbewerb beworben, damals jedoch ohne Erfolg. Im Herbst wurde das Konzept daher nun noch einmal überarbeitet. Und hat in seiner jetzigen Form die Jury überzeugt. „Heute überwiegt erst einmal die Freude, morgen untersetzen wir die geplanten Ideen und legen auch einen Zeitplan für die Umsetzung fest", äußerte sich Ronald Kunze.

Döbelner Anzeiger, 07.05.2020