„In Vielfalt der Meinungen liegt Kraft für Veränderungen.“

Grimme-Preisträger Thomas Darchinger kam mit einer Botschaft ans Harthaer Gymnasium

Von Vanessa Gregor

Solly Ganor war im Sommer 1944 ungefähr im gleichen Alter wie viele Schüler des Harthaer Martin-Luther-Gymnasiums jetzt, als er in eine Außenstelle des Dachauer Konzentrationslagers deportiert wurde. Doch bereits davor war das Leben für den litauischen Juden durch den Einmarsch deutscher Truppen 1941 zerstört. Aus seiner Heimatstadt Kaunas musste er mit seiner Familie ins Ghetto, dann ins Lager – und verlor schließlich seine ganze Familie. Solly Ganor überlebte als einer von wenigen Verfolgten die Zeit des Nationalsozialismus. Eine Wahl hatte er nie. Seine Geschichte bringt der Schauspieler und Adolf-Grimme-Preisträger Thomas Darchinger mit musikalischer Begleitung von Wolfgang Lackerschmid als Live-Hörspiel auf die Bühne.

Die Demokratiekampagne „Das andere Leben“ soll den Schülern in ganz Deutschland durch die Geschichte von Solly Ganor den Wert der Freiheit und der Wahl verdeutlichen. Dafür las Darchinger gestern auch in der Hartharena aus der Autobiographie von Solly Ganor. Lackerschmids Begleitung mit dem Vibraphon erzeugte oft, zur Geschichte passend, dunklere, aber auch seltene, lichte Momente. Nach dem 90-minütigen Hörspiel appellierte Darchinger an die Schüler des MLG und verdeutlichte die Intention der Veranstaltung: „Bildet euch eine Meinung, ändert auch mal eure Meinung, wenn die Chance da ist. Redet miteinander, um die beste Lösung zu finden, denn in der Vielfalt der Meinungen liegt die Kraft für Veränderungen.“ Er betonte, dass nicht immer die einfachste Lösung die richtige sei und das die Diktatur keine Alternative zur Demokratie darstellen kann.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Fachleiterin für Gesellschaftswissenschaften des Harthaer Gymnasiums, Gabriela Oettrich. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Schule und Bildung, welches die Kampagne initiierte, waren besonders die Neunt- bis Zwölftklässler eingeladen. Für Oettrich ist diese Veranstaltung ein besonderes Anliegen gewesen, zu Zeiten, in denen die Demokratie auch in Deutschland immer öfter in Frage gestellt wird. „Die Geschichte von Solly Ganor ist mit einem Thema verbunden, an das wir uns immer wieder erinnern sollten.“ Auch den Schülern ging das Schicksal des jungen Solly nahe. „Es ist schwer vorstellbar, dass das wirklich passiert ist. Meine Großeltern sagen oft, so anders als meine sei ihre Kindheit nicht gewesen“, erzählt Madelien Viertel. Die 15-Jährige hat sich vorgenommen, nun öfter mal nachzufragen.

Lobende Worte für die Veranstaltung fand auch Thomas Feist (CDU), Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben. „Ich finde es toll, dass die Verantwortung für politische Bildung mit solchen Vorträgen wahrgenommen wird.“ Durch die Art des Hörspiels sei der Effekt auch auf den Schülern längerfristig.

Foto: Die beiden Künstler, der Grimme-Preisträger Thomas Darchinger (m.) und der Jazz-Musiker Wolfgang Lackerschmid (l.) waren am Luther Gymnasium in Hartha zu Gast. Vanessa Gregor

Döbelner Anzeiger, 23.01. 2019