Kino aus dem Klassenzimmer

Zwei Schulen räumten beim Schülerfilm-Festival ab. Für das Harthaer Martin-Luther-Gymnasium gab es den dritten Platz. Die Leisniger Grundschüler konnten sich noch weiter oben platzieren.

Von Vanesssa Gregor

Gleich zweimal wurden beim 9. Sächsischen Schüler-Filmfestival Ende November Gruppen aus dem Kreis Mittelsachsen ausgezeichnet. Für vier Abiturienten vom Martin-Luther-Gymnasium gab es einen dritten Platz in der Kategorie ab Klasse 9. Die Film-AG der Grundschule Leisnig sich in ihrer Kategorie der Klassen 1 bis 4 sogar ganz oben aufs Treppchen stellen.

„Film ab!“ war das Motto, mit denen die Schulen ihre Bewerberfilme einreichen konnten. Maximale Länge: 30 Minuten. Das Thema dagegen: egal. Ob Spielfilm, Literaturverfilmung, Animationsfilm, Dokumentarfilm oder Experimentalfilm, alles durfte eingereicht werden.

Dirk Marggraf unterrichtet am Martin-Luther-Gymnasium Deutsch und Englisch. In seinem Grundkurs „History in Movies“ entstanden bereits Anfang 2019 die ersten Filme der damaligen 12. Klässler. „Die Schüler erstellten ihre eigenen Konzepte und Storyboards, schrieben das Drehbuch und produzierten die Filme selber“, erklärt er. Lediglich in der Thematik waren sie etwas eingeschränkt. Die Wahl lag zwischen historischen Ereignissen in Großbritannien oder Amerika.

Welcher Film letztendlich eingereicht werden sollte, entschied der Kurs zusammen. „Wir haben uns alle Filme angesehen und danach den Froschkar verliehen. Eine Mischung aus Oscar und dem Harthaer Maskottchen, dem Frosch“, erklärt Marggraf. Das Rennen machte schließlich der Film von Annabelle Boitz, ihrer Schwester Samantha Boitz, Max Nabor und Johanna Wunder: „Across History“ erzählt die Geschichte von Schülern, die plötzlich eine Zeitreise-App auf ihren Smartphones finden. Sie reisen in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und sorgen dort mit ihrem Wissen aus dem Geschichtsunterricht für Aufklärung. Zurück in der Gegenwart lässt der berühmte Schmetterlings-Effekt jedoch nicht lange auf sich warten...

"Wir haben wirklich die gesamten Winterferien am Film gearbeitet“, erzählt Annabelle Boitz. Mehrere Drehorte und sogar ein Greenscreen kamen zum Einsatz. Die beiden Boitz-Schwestern, die sich auch privat viel mit Filmtechnik auskennen, konnten ihr Wissen gut einbringen. „Im Jahr davor hat unsere Schule schon einmal teilgenommen, wurde aber nicht platziert. Aber wir haben gesehen, was so ein Gewinner-Film sein könnte und haben das auch genutzt“, erklärt ihre Schwester Samantha

Im Juni machten die beiden ihr Abitur am MLG. Auch ihre Filmkollegen sind nicht mehr an der Schule. Max studiert in Leipzig, Johanna in Mittweida. Den Film reichte daher ihr Lehrer, Dirk Marggraf ein. Er erhielt bei der Preisverleihung Ende November in der Schaubühne Lindenfels dann sogar den Preis für den engagiertesten Lehrer des Wettbewerbs. „Es gab Probleme mit unser Filmdatei. Da musste ich mich natürlich viel kümmern“, sagt er zu seiner Auszeichnung.

Samantha macht aktuell ein FSJ an der Förderschule Waldheim. Annabelle Boitz an der Grundschule Leisnig. Dort wurde mit Beginn des neuen Schuljahres die Film-AG gegründet, geleitet von Boitz. „Das ist echt toll. Die Kinder kommen aus den Klassen zwei bis vier und sind wirklich begeisterungsfähig“, sagt sie. Auch die Leisniger reichten einen Film ein und schafften es sogar auf Anhieb in Finale. „Die Welt in der wir leben“ erzählt, altersgerecht, von guten und schlechten Seiten des Lebens. Von Umweltverschmutzung und Mobbing, aber auch vom Wert der Freundschaft. „Am Ende überwiegt das Positive im Leben und im Film“, so Boitz.

Auch die Leisniger Schüler mussten, wie die Gymnasiasten, alles selber machen. „Ich habe da natürlich das ein oder andere Mal etwas geholfen, aber eigentlich kommt alles von den Schülern“, erklärt Boitz. Zehn Kinder waren in der AG. Und für alle die Überraschung riesig, das sie es tatsächlich ins Finale geschafft haben. „Wir waren alle hin und weg“, ergänzt Boitz.

So sah das auch die Jury des Festivals: „Das Filmteam des Gewinnerfilms beweist Mut zum Innehalten und vertraut auf ruhige, starke Bilder in einer Welt, die immer schneller an uns vorbeizieht.“ Der fünf-minütige Film der Leisniger sei „ehrlich und glaubwürdig“ und zeige, was die Welt so lebenswert macht – Freundschaft und Familie.

Foto 1:Die ehemaligen 12. Klässler vom Harthaer Martin-Luther-Gymnasium holten sich beim 9. Sächsischen Schülerfilmfestival den dritten Platz. Foto: Andreas Lamm 2019, Film ab!

Foto 2:Dirk Marggraf wurde als engagiertester Lehrer ausgezeichnet.Foto: Sven Bartsch

Döbelner Allgemeine Zeitung, 07.12.2019