Kooperation mit Kurt-Schwabe-Institut soll naturwissenschaftlichen Zweig stärken

Von Max Hempel

Naturwissenschaftlich interessierte Schüler aus Hartha dürfen demnächst am Kurt-Schwabe-Institut experimentieren. Fotomontage: Sven Bartsch

Hartha/Meinsberg. Ein Paukenschlag für die Stadt Hartha. Am Mittwochmorgen hat das Sächsische Staatsministerium für regionale Entwicklung in einer Online-Pressekonferenz die Sieger seines Ideenwettbewerbs „Simul+“ für den ländlichen Raum vorgestellt. Mit unter den ersten Gewinnern: Das Projekt „Schule und Forschung regional vernetzt“, eine gemeinschaftliche Kooperation der Stadt Hartha, der Pestalozzi-Oberschule und des Martin-Luther-Gymnasium gemeinsam mit dem Kurt-Schwabe-Institut (KSI) für Mess- und Sensortechnik aus Meinsberg. Die gewonnene Fördersumme lässt sich sehen. 300.000 Euro gibt es vom Land Sachsen.

Auf eine feierliche Übergabe mussten die Verantwortlichen zwar verzichten, die Freude über das viele Geld war am Mittwochvormittag jedoch ungebremst. Denn das Anliegen lag bei Stadt sowie den Schulen schon länger auf dem Tisch. Bereits der alte Schulleiter Lothar Weisheit und später seine Nachfolgerin Heike Geisler vom Martin-Luther-Gymnasium arbeiteten an dem Konzept mit Bürgermeister Ronald Kunze.

In Hartha sollen in Zukunft engagierte und interessierte Schülerinnen und Schüler in den MINT-Fächern noch besser gefördert werden – etwa durch zusätzliche Lernangebote, die Möglichkeit zum Experimentieren oder Praktika bei Unternehmen und potenziellen Arbeitgebern.

Konkret könnte das etwa am Martin-Luther-Gymnasium wie folgt aussehen: Schüler der zehnten Klassen im naturwissenschaftlichen Profil sollen in Zukunft praxisnahen und erweiterten Unterricht in Fächern wie Biologie, Chemie und Physik bekommen. Zum Beispiel, indem sie größere Experimente in der Schule vorbereiten und dann mit entsprechendem Gerät am Kurt-Schwabe-Institut durchführen. Außerdem sollen Experten die Klassen besuchen und zusätzlichen Unterricht zu ihrem Fachgebiet geben. Bei den Abiturienten ist geplant, dass diese ihre zusätzliche Lernleistung – die das mündliche Abitur ersetzt – durch eine praktische Leistung beim Institut ersetzen können. „Einige technische Neuanschaffungen sind auch geplant“, verrät Schulleiterin Geißler.

Professor Michael Mertig, Direktor des Kurt-Schwabe-Instituts, weiß welche Vorteile eine solche Kooperation mit sich bringt. Sein Institut arbeitet schon seit Jahren mit Schulen zusammen. „Wir haben Geräte bei uns im Haus, die sich eine Schule nicht so einfach leisten kann. Dazu gehören sensible Mikroskope, die sogar kleinste Zellen für das menschliche Auge sichtbar machen.“ Für den Unterricht sei dies natürlich hervorragend, da gewisse Inhalte viel anschaulicher vermittelt werden können. Ein Aspekt, den auch Schulleiterin Geißler betont. „Für uns als Schule wäre das im naturwissenschaftlichen Bereich fast schon ein Alleinstellungsmerkmal.“

Darüber hinaus soll auch ein Netzwerk von Firmen entstehen, die sich den Schülern zum einen vorstellen und dann vielleicht ein Praktika oder ein duales Studium anbieten. Bürgermeister Kunze legt somit einen längerfristigen Plan vor: „Wir möchten unser Profil als Stadt und Region schärfen und vor allem möglich machen, dass junge Talente hier bleiben möchten. Es gibt hier genügend Firmen, die gute Wissenschaftler und Ingenieure brauchen.“

Für Staatsminister Thomas Schmidt und die Wettbewerbsjury ein entscheidender Punkt. Schmidt lobte den Vorbildcharakter dieser Zusammenarbeit. „Wir finden es gut, wenn Schüler mit Unternehmen in ihrer Heimatregion zusammen kommen.“ Diese Verbindung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Bildungsinstituten sei daher beispielhaft.

Bei dem Wettbewerb haben insgesamt 362 Einrichtungen, Vereine und Städte ihre Ideen in zwei Modulen vorgestellt. Im Modul „Projekt“ haben sich Vereine, lokale Verbände, Privatpersonen und Unternehmen mit insgesamt 278 Beiträgen beteiligt. Gemeinden und landesweite Vereine haben im Modul „Land.Kommune“ 84 Beiträge eingereicht. Eine Übersicht über alle erfolgreichen Projekte gibt es auf der Internetseite des Sächsischen Staatsministeriums für Regionalentwicklung.

DAZ, 07.05 2020

Veröffentlichung der Preisträger und Wettbewerbsbroschüre

www.youtube.com/watch?v=6NXT2cFCtfg&feature=youtu.be

Pressekonferenz auf youtube.com

www.laendlicher-raum.sachsen.de/ideenwettbewerb-2019-7719.html