Meinsberg Kurt Schwabe Institut Schüler im Praktikum

26.08.2020 |

Wissenschaftlicher Nachwuchs dringend gesucht

Kurt Schwabe-Institut beginnt seine Zusammenarbeit mit dem Harthaer Gymnasium. Zwei Schüler nutzen die Sommerferien zum Experimentieren.

Von Max Hempel

Auch Wissenschaftler müssen früh aufstehen. Das war mit das erste, das Tim Fichtner und Robert Arnold vom Harthaer Martin Luther-Gymnasium erfahren mussten. Das frühe Aufstehen – zugleich noch in den Sommerferien – hat sich aber gelohnt. Die beiden Schüler hatten in den vergangenen zwei Wochen die einmalige Möglichkeit, in einem weltweit bekannten Forschungsinstitut den Wissenschaftlern über die Schulter schauen.

Und das befindet sich gerade mal eine viertel Stunde entfernt in Meinsberg. Dort hat nämlich das Kurt-Schwabe-Institut (KSI) unter der Leitung von Professor Michael Mertig seinen Sitz. Am Fuße der Zschopau forschen in dem mehrstöckigen Gebäude die Mitarbeiter des KSI im Bereich der Mess- und Sensortechnik. Nun öffnet Leiter Mertig dem Martin Luther-Gymnasium seine Türen für Schüler und potenzielle Nachwuchsforscher. Die Zusammenarbeit ist ein Projekt der Stadt Hartha, ihrer beiden weiterführenden Schulen und dem Kurt Schwabe-Institut, die durch das Land Sachsen mit dem Wettbewerb Simul+ seit diesem Jahr gefördert wird (die DAZ berichtete).

„Unser Ziel ist es, junge Menschen noch tiefere Einblicke in die Arbeit von Wissenschaftlern zu vermitteln“, erklärt Mertig. Es gebe viele begabte Schüler, die jedoch im Unterricht nicht immer jeden Versuch oder aufwendiges Experiment mit ihren Lehrern ausprobieren könnten. „Dafür wollen wir die Möglichkeit bieten.“

Diese Gelegenheit hatten Tim und Robert, die mit ihren Betreuern Dr. Wolfgang Fichtner sowie Dr. Christine Schirmer so allerhand Neues lernen konnten. Tim zum Beispiel züchtete gemeinsam mit seiner Betreuerin einen besonderen Hefepilz heran. „Der reagiert dann auf bestimmte Chemikalien im Wasser – in unserem Fall Diclophenac – und fängt an zu leuchten“, erklärt der 16-Jährige. „Wir konnten mit diesem Verfahren schließlich nachweisen, wie sehr Wasser durch Arzneimittel verunreinigt ist.“ Doch nicht nur im Labor war der Erfahrungsgewinn groß, wie Klassenkamerad Robert weiß. „Ich fand es total spannend, an einem Tag zwei Stunden auf dem Feld zu stehen und Messungen durchzuführen und anschließend die Ergebnisse im Büro zu analysieren.“ In Zukunft sollen aber nicht nur die Schüler neue Dinge lernen. Auch ihre Lehrer werden beim KSI in Klausur gehen und auf den neuesten Stand der Forschung gebracht.

Für Wolfgang Fichtner ist die Zusammenarbeit ein wichtiger Schritt in Sachen Talentförderung in der Region. Es gebe in Mittelsachsen eine Reihe von Instituten und technisch hoch spezialisierten Unternehmen, die in Zukunft auf junge Leute setzen. „Schließlich geht auch an uns Forschern der demographische Wandel nicht vorbei“, sagt Fichtner. Wer ein wissenschaftliches Praktikum im Institut machen wolle, egal ob aus Hartha, Döbeln oder Waldheim, soll sich gerne melden. „Unsere Pforten stehen für interessierte junge Menschen jederzeit offen.“

Michael Mertig ist auf jeden Fall stolz auf seine beiden ersten Praktikanten. „Wir hatten in den vergangenen Wochen zwei hervorragende Schüler bei uns“, sagt der Institutsleiter. „Sollten sie sich mal überlegen Biologie oder Physik zu studieren, würden wir gerne bei möglichen Forschungsarbeiten Pate stehen.“

DAZ, 20.08.2020