Mit Augen des anderen sehen

Harthaer Gymnasiasten spielen mit Regenbogenschülern aus Döbeln Theater

Von Vanessa Gregor

Es war viel los, vergangene Woche in der Harthaer Stadtkirche. Der Grund dafür: die Schüler des Martin-Luther-Gymnasiums (MLG) aus Hartha und der Regenbogenschule aus Döbeln. Beim Fächer verbindenden Unterricht (FvU) des Gymnasiums stand für die Neuntklässler nämlich das Sozialpraktikum auf dem Programm. Unter dem Motto „Sozial genial“ konnten sie sich aussuchen, ob sie sich in integrativen Einrichtungen engagieren, zusammen mit den Schülern der Regenbogenschule Trickfilme produzieren oder mit ihnen ein Theaterstück aufführen. Acht Schüler des MLG und fünf der Regenbogenschule haben sich dafür entschieden und hatten eine Woche Zeit, das Stück auf die Beine zu stellen. Unterstützt wurden sie von Jürgen Hartmann-Bastl vom Theatre De Luna. Er hatte die Zügel in der Hand, gab Tipps gegen Nervosität und sorgte für gelungene Auftritte.

Besonders für die Schüler der Regenbogenschule war die Konzentration, die für einen Bühnenauftritt nötig ist, eine kleine Herausforderung. „Für unsere Schüler ist das schon ein bisschen anstrengender als sonst. Aber wir sehen auch, sie wachsen hier über sich hinaus“, erklärt Ina Hedrich, die stellvertretende Schulleiterin der Regenbogenschule.

Der FvU am Gymnasium findet für alle Stufen von der fünften bis zur zehnten Klasse statt. Die ganz Kleinen haben das Thema Märchen. In der sechsten Stufe stehen die Olympischen Spiele im Vordergrund, sportlich wie auch geschichtlich. Ein bisschen weniger Action gibt es im Jahrgang sieben. Kurzvorträge stehen dort im Programm und die ersten Erfahrungen mit Power-Point und Co. werden gemacht. Das Gegenteil erwartet die achte Klasse. Lehrer Henry Herold leitete dort die Projektwoche. Das Thema war Naturwissenschaft. „Wir haben Mathe, Chemie und Biologie vertreten und waren in dieser Woche zum Beispiel auch bei der Feuerwehr. Da durften die Schüler einen Feuerlöscher testen“, erklärt er. Das sei Unterricht zum Anfassen gewesen. Das trockenste Programm gab es wohl für die zehnten Klassen, ihr Thema: Facharbeit und das erste Herantasten an das wissenschaftliche Schreiben.

Das Stück der schauspielernden Neuntklässler hieß „Zeit ist ein Geschenk“. Kurzweilig war es, nachdenklich und sehr musikalisch. Nach der Generalprobe war Heike Geißler, Direktorin des MLG, begeistert und auch die übrigen Zuschauer, Schüler der Regenbogenschule und des MLG, wollten nicht aufhören zu applaudieren. Geißler bedankte sich bei Kantor Fromm, der  Kirche und dieses Mal auch die Orgel zur Verfügung stellte und bekräftigte die Wichtigkeit von Empathie, die mit dem Projekt der neunten Klasse gefördert werden soll. „Wir müssen mit den Augen des anderen sehen, mit den Ohren des anderen hören und mit dem Herzen des anderen fühlen.“

Döbelner Allgemeine Zeitung, 9.11.2019