Mit dem Theater Vorurteile besiegen

Die Schauspielgruppe Scheselong thematisiert am Martin-Luther-Gymnasium rassistische Klischees

Von Sonja Lauer

Die Neuntklässler des Martin-Luther-Gymnasiums Hartha haben derzeit Besuch aus Berlin. Das Theater Scheselong thematisiert in seinem Stück „Phantom“ Vorurteile gegenüber osteuropäischen Zuwanderern. Am Dienstag schauten sich die Schüler das Schauspiel in der HarthArena an.

In diesem finden Mitarbeiter einer Fast-Food-Kette ein Baby in der Filiale. Sie sind sich sicher: Eine Frau, vermutlich Osteuropäerin, muss das Kind abgelegt haben. Sie war kurz zuvor allein im Laden und schnell wieder verschwunden. Wie sie heißt, woher sie kommt und ob es überhaupt ihr Kind ist, weiß niemand und wilde Spekulationen beginnen. Die Namenlose wird Blanca getauft und anschließend begleiten sie die Zuschauer auf ihrer Reise nach Deutschland.

Theater seit 2005 auf Tour

Während der Aufführung erfuhren die Schüler viel über mögliche Gründe einer Auswanderung und Probleme bei der Ankunft in einem fremden Land. Anschließend gab es eine Diskussion. Schauspieler und Publikum sprachen gemeinsam über die im Stück dargestellten Klischees und Konflikte. Nicht alle Migranten sind Verbrecher und nicht alle Hartz-IV-Empfänger faul, erkennen auch die Kinder. Solchen und anderen Vorurteilen gingen die Klassen auf den Grund. Projektleiter Cüneyt Ogan sprach die jungen Zuschauer direkt an, wollte zum Mitmachen animieren. Zunächst waren die Schüler eher zurückhaltend, tauten aber schnell auf. In kleinen Gruppen werden Kinder- und Menschenrechte sowie die UNO und Europa spielerisch thematisiert.

Beratungslehrerin Gabriele Dietze ist froh über das Projekt, auch wenn „die Lehrer derzeit viel nachzuholen haben“. Inhaltlich passe es dennoch gut zum Lehrplan, vor allem in den Fächern Ethik und GRW (Gemeinschaft, Recht, Wirtschaft).

Das Theater Scheselong tourt seit 2005 durch Deutschland und besucht Einrichtungen von Förderschule bis JVA. Die politische Bildungsarbeit unter der Thematik „Vorurteile in der Gesellschaft“ steht dabei immer im Vordergrund. Zurzeit ist das Team in Sachsen unterwegs, das Projekt wird vom Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“ unterstützt.

Bild: Bartsch Woher stammt Blanca? In dem Theaterstück geht es um Vorurteile gegenüber Osteuropäern.

DAZ,16.09.2020