Plötzlich ist die Schule vorbei

Coronakrise: Abiturienten im Altkreis müssen sich nun zu Hause auf die Prüfungen vorbereiten

Von Vanessa Gregor

Hartha/Döbeln. Zwei Wochen sind die Schulen in Sachsen mittlerweile zu. Es geht in die dritte Woche, die Abiturprüfungen rücken näher. In anderen Bundesländern wurden die mittlerweile verschoben, auch komplette Absagen standen schon zur Debatte. Sachsen hält an den Terminen fest, Ende April soll es los gehen. Für die Abiturienten im Altkreis bedeutet das, dass sie auch ohne festen Stundenplan ein gewisses Pensum schaffen müssen. Funktioniert das?

Ungewiss wie es weiter geht

Enzo Posselt will eigentlich dieses Jahr sein Abitur am Martin-Luther-Gymnasium in Hartha machen. Zusammen mit seinen Klassenkameraden muss er sich jetzt jedoch von zu Hause auf die Prüfungen vorbereiten. Doch es gab Anfangsschwierigkeiten. „Am Freitag vor der Entscheidung war es ja alles noch sehr ungewiss und niemand von uns wusste, wie es weitergehen soll. Und als es dann hieß, wir müssen von zu Hause aus lernen, war alles ein bisschen chaotisch“, erzählt Enzo. Mittlerweile laufe aber es besser. Montags kommen die Aufgaben für die ganze Woche, wie bei den meisten Schülern über das digitale Portal LernSax. Das ist eine Cloud, speziell für Schüler und Lehrer. Bei Fragen stehen die Lehrer auch per Email zur Verfügung.

Den Zwölftklässlern am Döbelner Lessing-Gymnasium geht es nicht anders. Auch sie müssen sich nun digital aufs Abi vorbereiten. Julian Richter und Lina Krause wollen die Prüfungen im April ablegen.

Ist das Abitur in Gefahr?

Funktioniert das Lernen bei ihnen? „Viele bei uns mussten einfach erstmal die Motivation finden, trotz schulfrei jeden Tag zu lernen. Ich auch“, sagt Julian. Lina findet, komplexere Themen müssen von jemanden erklärt werden, der es kann. „Am Anfang war schwerer für mich. Ich bin kein Fan vom Alleinstudium“, so die 18-Jährige. Die beiden müssen, wie Enzo, nun vieles alleine schaffen. Kontakt mit ihren Lehrern haben sie fast nur noch per Email.

Die Prüfungen ausfallen zu lassen und das Abitur nur nach Durchschnitt zu werten, wäre für die beiden Döbelner allerdings keine gute Option. „Das hätte immer so einen Beigeschmack, weil es nicht das klassische Abi wäre“, findet Julian.

Nichts ist mehr, wie gewohnt

Enzo kommt ganz gut mit dem selbstständigen Lernen klar. Der 17-Jährige hat sich die Zeiten eingeteilt. Abgeben müssen sie die Aufgaben nicht. Auch sonst scheint es mittlerweile alles etwas entspannter zu werden, findet Enzo.

Vor zwei Wochen jedoch war das noch anders. „Als wir gehört haben, dass die Schule zu macht, waren viele von uns natürlich geschockt.“ Denn: Gerade für die Abiturienten läuft jetzt nichts mehr wie gewohnt. Der Abiball steht auf der Kippe, die Prüfungsvorbereitung ist alles andere als gewöhnlich. Das sorgt auch für Unsicherheit. Auch bei Enzo. Er möchte im Herbst anfangen zu studieren. „Ein bisschen Sorgen mache ich mir schon, ob das alles reibungslos klappt“, erklärt er.

Und dann ist die Schulzeit plötzlich vorbei

Die Abiturienten aus dem Altkreis müssen nun nicht mehr zu Schule. Der letzte Schultag kam früher als gedacht. „Das ist schon ein bisschen schade, denn so war es einfach nichts besonderes mehr“, sagt Julian. „Jetzt hatten wir dafür aber auch keine Zeit für Drama und Abschiedsschmerz“, sagt Lina. Die letzten Stunden seien immer etwas besonderes. Für die Schüler und die Lehrer. Auch das Abiprojekt am Lessing-Gymnasium fällt wohl aus. Das sind besonders intensive Vorbereitungswochen, bei denen nochmal alles fürs Abitur wiederholt wird. Lina und Julian empfinden das als Nachteil. „Das ist eine wichtige Phase, bei der wir eigentlich alles wiederholen, was dran kommen kann. Da hätten wir Zeit, Fragen zu stellen“, sagt Lina.

Alle drei haben sich, trotz frühzeitigen Unterrichtsende und Unsicherheit vorgenommen, weiterhin fürs Abi zu lernen. Das rät Enzo auch seinen Mitschülern. „Auch wenn wir alles noch nicht so genau wissen, das Abi kommt ja trotzdem höchstwahrscheinlich!“

Bild: Enzo Posselt, Lina Krause und Julian Richter (v.l.) schwitzen jetzt zuhause über den Abiturvorbereitungen.Montage: Sven Bartsch

DAZ, 30.03.2020