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Harthaer Oberschüler geben Mitwirkungsseminar am Martin-Luther-Gymnasiums zu Rechten und Pflichten

Welche Rechte haben Schüler? Und welche Pflichten? Antworten darauf bekamen die neuen Klassensprecher des Martin-Luther-Gymnasiums (MLG) von zwei Jungs der Pestalozzi-Oberschule. Sie leiteten das Mitwirkungsseminar (MiWi) vor der Wahl der Schulsprecher.

Bereits in den Sommerferien organisierte Heike Geißler, Schulleiterin des MLG, das Seminar, so dass es zum ersten Mal am Harthaer Gymnasium stattfand. „Eine gute Schule lebt von den Ideen und Interessen vieler“, sagte sie. Schüler und Lehrer müssten im Team kommunizieren, um den Schulalltag aktiv zu organisieren, so die Pädagogin.

„Ich wusste nicht, dass ich als Schüler so viele Rechte habe. Ich bin eher davon ausgegangen, dass es mehr Pflichten sind“, erzählte die 13-jährige Lillie. In einer der siebten Klassen ist sie Klassensprecherin geworden. „Zum Beispiel haben wir ein Informationsrecht. Das bedeutet, dass wir wissen dürfen, was in der Schulkonferenz besprochen wurde“, erklärte die Schülerin. Das Recht war ihr neu.

Damit den Schülern das bewusst wird, besuchten Jonas und Tobias das MLG. Sie haben sich zu MiWi-Moderatoren ausbilden lassen. Das Programm „Mitwirkung mit Wirkung“ der deutschen Kinder- und Jugendstiftung wird sachsenweit angeboten. Darüber können Schulen auch das Seminar buchen, das von Schülern für Schüler gehalten wird. „In der Vergangenheit hatten wir keinen Austausch zwischen unseren Schulen“, sagte der 14-Jährige Jonas, der zusammen mit dem gleichaltrigen Tobias vor den Klassenstufen fünf bis acht stand. Die beiden Harthaer Oberschüler haben zwar Freunde am MLG, aber eine Zusammenarbeit zwischen den Schulen ist ihnen nicht bekannt. „Deshalb finden wir es auch gut, dass wir das Seminar für das Gymnasium halten dürfen“, sagte Tobias.

Mit dabei ist auch Jasmin aus Leipzig. Sie ist schon länger als MiWi-Moderatorin unterwegs. An dem Tag des Seminars am MLG in Hartha ist sie Mentorin der beiden Jungen, da es das erste Seminar nach deren Ausbildung war. „Durch die MiWi Ausbildung bin ich selbstbewusster geworden und spreche viel offener und leichter Menschen an“, erzählte die Zehntklässlerin. Die künftigen MiWi-Moderatoren werden in Rhetorik und Präsentation, Schulrecht, im Umgang mit Konflikten und in der Planung und Durchführung von Seminaren geschult.

Auch für Schüler des Harthaer Gymnasiums kommt die Moderatorenausbildung in Frage – zumindest würde die Schule interessierten Kindern offen gegenüberstehen. „Das würden wir natürlich fördern“, sagte Geißler. Von Nicole Grziwa

Foto: Hier erfahren die Klassensprecher welche Rechte und Pflichten sie haben. Die Infos dafür bekommen sie von ihren Altersgenossen. Foto. Sven Bartsch

Döbelner Allgemeine Zeitung, 10.09.2019