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Von Sylvia Jentzsch
Shannon Maisel liebt Farben. Das ist überall im Kunstkabinett des Martin-Luther-Gymnasiums Hartha zu sehen, ja auch zu spüren. Seit November vergangenen Jahres arbeitet Maisel als Kunst- und Englischlehrerin an der Schule. Noch vor den Februarferien wurde sie vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) fest eingestellt.
Seiteneinsteigerin mit Erfahrung
Sie ist Seiteneinsteigerin – aber eine ganz besondere. Sie hat den Master of Fine Arts in Malerei, den sie am Kendall College of Art and Design (2008) ablegte, und den Bachelor of Arts in Studio Art und Anthropologie am Centre College (1998) erworben. Shannon Maisel ist Mitglied der Studio Art Quilt Association.
Die gebürtige US-Amerikanerin hat Kunst studiert und stammt aus Michigan. Nach einigen Umzügen zwischen den Kontinenten lebt sie mit ihrem Mann in Leipzig. Zur Familie gehören drei Töchter im Alter von 24, 22 und 13 Jahren.
Liebe zur Kunst ist spürbar
Wenn Shannon Maisel von Kunst spricht, spürt jeder, mit wie viel Engagement und Liebe sie dabei ist. Die Begeisterung und Liebe zur Kunst gibt sie an die Schüler weiter. Stolz zeigt die Künstlerin auf die Bilder, die bisher entstanden sind.
Dabei geht es unter anderem um Schriftgestaltung. Das Thema zieht sich durch die Jahrgänge. Und damit auch alle sehen, was einmal erreicht werden soll, präsentiert Shannon Maisel Beispiele aus jeder Klassenstufe im Kunstkabinett. Alles wirkt inspirierend, zieht magisch an und macht Lust auf Kunst.
Klare Regeln für den Unterricht
Bei Shannon Maisel gibt es klare Klassenregeln. Die hat sie gemeinsam mit den Schülern erarbeitet. Dabei geht es um Zuhören, Melden, Respekt, Fokus, Kreativität und das Aufräumen. Alles ist übersichtlich und plakativ dargestellt und für jeden sofort sichtbar. Das betrifft auch die handwerkliche Qualität und die Pinselpflege. „Mir geht es um mehr Transparenz.“ Die Schüler sollen genau wissen, was von ihnen erwartet wird“, so die Kunsterzieherin.
Doch wie kommt eine US-amerikanische Künstlerin nach Deutschland und ans Harthaer Gymnasium? „Ich habe meinen Mann, der aus Deutschland kommt, vor 25 Jahren in Riad in Saudi-Arabien kennengelernt. Er arbeitete an seiner Doktorarbeit auf dem Gebiet der Arabistik und ich absolvierte eine Art Weiterbildung für Erwachsene. Und dann passierte eine unglaubliche Geschichte“, erzählt die Kunstlehrerin.
Bereits nach drei Wochen habe Sebastian Maisel sie gefragt, ob sie ihn heiraten würde. Und sie habe ja gesagt, so Shannon Maisel. Noch im selben Jahr wurde geheiratet. Das war 2000. Die Künstlerin zog mit ihrem Mann nach Weimar, weil die Schwiegereltern dort leben.
Viele Umzüge gestemmt
Dann kam der 11. September 2001. Nach den Terroranschlägen, bei denen zwei Flugzeuge in den Nord- und Südturm des World Trade Centers flogen, wurde Sebastian Maisel als Fachmann für Arabistik in Washington, D.C. gebraucht. Also hieß es wieder: umziehen. Nach zwei Jahren erhielt er eine Stelle an der Uni in Michigan.
Die Familie bezog ein Haus am See. Shannon Maisel hatte ein Atelier mit einer Kunstschule. „Es war eine wunderbare Zeit. Die Kinder waren klein, ich hatte eine große Community und auch viele Ausstellungen“, so die Lehrerin.
Im Jahr 2018 ging es dann wieder zurück nach Leipzig. Ihr Mann erhielt eine Professur. „Obwohl wir einen großen Freundeskreis haben und ich weiterhin künstlerisch tätig bin, fühlte ich mich einsam. Mir fehlte der Austausch“, sagt die Künstlerin. Um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern, absolvierte Shannon Maisel einen Sprachkurs an der Volkshochschule in Leipzig. „Wir sprachen damals über unsere Zukunft, unsere Träume. Am Kurs nahmen viele junge Leute teil. Für sie standen Dinge im Mittelpunkt, die ich schon erreicht hatte. Das war der Punkt, an dem ich mir intensiv Gedanken gemacht habe, was ich in meinem Leben noch erreichen will. Und da stand fest: Ich will meine Begeisterung für die Kunst weitergeben und jungen Leuten die englische Sprache näherbringen“, so Shannon Maisel. Lehrer für Kunsterziehung würden immer gesucht. „Ich habe gemeinsam mit meinem Mann einen Radius um Leipzig geschlagen, um zu sehen, welche Schulen es in diesem Bereich gibt, an denen ich mich bewerben kann“, sagt die Lehrerin. Eine Bewerbung ging unter anderem an das Harthaer Gymnasium.
Vom Spirit der Künstlerin angetan
Schulleiterin Heike Geißler war sofort vom Spirit der Künstlerin angetan. „Sie tanzt ihren Namen. Mit ihrem Schwung passt Shannon Maisel super in unser Team“, so die Schulleiterin. Sie hat ihre Entscheidung nicht bereut. So geht es nicht nur ihr, sondern auch den Kollegen und Shannon Maisel. „Ich liebe diese Schule. Ich bin glücklich, hier arbeiten zu dürfen. Die Schüler sind toll und natürlich auch die Kollegen.“ Das Gymnasium bietet viele Möglichkeiten der künstlerischen Entfaltung. So gibt es unter anderem einen Brennofen für die Arbeit mit Ton, eine Presse und einen Drucker sowie vieles mehr.
Döbelner Anzeiger,20.05.26
Bild: Shannon Maisel stammt aus Kentucky und ist jetzt Lehrerin für Kunsterziehung und Englisch am Gymnasium in Hartha. Sie begeistert sowohl Schüler als auch Kollegen mit ihrer herzlichen und sympathischen Art. Fotos: lutz weidler
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