Wegschauen ist Mobbing

Auch Harthaer Gymnasiasten wurden schon im Internet gemobbt.

Beim Workshop „Gefahren im Netz“ sprachen sie darüber.

Von Stephanie Helm

 „Wer von euch hat Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht?“, fragte Uwe Straßberger in eine sechste Klasse des Martin-Luther-Gymnasiums (MLG) in Hartha. Zwei, drei Arme ragen in die Höhe. Jungen und Mädchen berichten von ihren Erfahrungen. Davon, dass sie in der Klasse aber auch per WhatsApp, dem Nachrichtendienst auf so gut wie jedem Smartphone, Opfer von Beleidigungen, Hänselei und Lügen wurden. Der Beweis dafür, dass Mobbing allgegenwärtig ist. Auch hier bei uns.

Uwe Straßberger vom Jugend- und Gemeindezentrum der Landeskirchlichen Gemeinschaft Auerswalde in Lichtenau war nicht das erste Mal zu Gast an der Harthaer Bildungseinrichtung. Seit fünf Jahren kommt er regelmäßig vorbei, um Workshops zum Thema zu geben. Mit den Schülern der jetzigen sechsten Klasse sprach er im letzten Jahr schon über das Thema „Gefahren im Netz“ im Allgemeinen. „Dieses Mal gehen wir in die Tiefe und sprechen ganz konkret über Cybermobbing“, erklärte der Sozialpädagoge. Cybermobbing meint Mobbing im Internet. Egal ob in den sozialen Netzwerken, wie Instagram oder über Nachrichtendienste, Video-Plattformen oder was es sonst noch alles gibt.

„Was glaubt ihr, wo der Unterschied zwischen Mobbing im Klassenraum und Mobbing bei Instagram liegt“, wollte Uwe Straßberger von den Zwölf- bis 13-Jährigen wissen. „Millionen Menschen“, lautete die Antwort. Denn statt der 22 Schüler im Klassenzimmer, kann im Internet jeder mitlesen. „Das hat eine ganz andere Dimension und ist ein ganzes Stück härter.“

Dass es Mobbing gibt, auch an der Harthaer Schule, überrascht den Sozialpädagogen nicht. Doch er will präventiv arbeiten und verhindern, dass so etwas weiterhin passiert. „Ich will die Schüler für das Thema sensibilisieren“, sagte er. Deswegen war es ihm ein besonderes Anliegen, dass die Schüler sich in die Lage der Opfer einfühlen. Wie fühlt sich jemand, der gemobbt wird? Dabei konnten einzelne Schüler ihre ganz eigenen Erfahrungen teilen. Während es einen Jungen „nicht juckt“, verletzte es seine Sitznachbarin.

Den Kontakt zu dem Sozialpädagogen stellte Beratungslehrerin Gabriele Dietze her. Die MLG-Lehrerin sieht gerade in der Klassenstufe fünf und sechs den dringendsten Bedarf – auch um noch präventiv zu wirken. „Vor allem ist es wichtig, dass das Thema nicht nur von uns Lehrern aufgegriffen wird, sondern eben auch von Leuten wie Uwe Straßberger, die als Außenstehende einen ganz anderen Blick haben“, so die Pädagogin.

Die Harthaer Gymnasiasten schulten während des gestrigen Workshops ihr Bewusstsein für das Mobbing im Internet. Sie lernten, dass auch das Wegschauen eine Art Mobbing ist.

Bild: Sozialpädagoge Uwe Straßberger sprach mit den Sechstklässlern des Harthaer Gymnasiums über Cybermobbing. Foto: Sven Bartsch

Döbelner Allgemeine Zeitung, 22.11.2019