Wie Schüler aus Hartha internationale Freundschaften schließen

Ein Nachhaltigkeitsprojekt bringt Jugendliche aus Europa zusammen. Mit dabei waren auch 18 Schüler aus Hartha. Für sie steht fest: Es soll ein Wiedersehen geben.

Von Lea Heilmann

18 Schülerinnen und Schüler des Harthaer Gymnasiums waren vier Tage lang in Chemnitz und Mittweida. Und während beide Städte nur einige Kilometer von Hartha entfernt sind, so hat es sich für sie trotzdem wie ein internationaler Schüleraustausch angefühlt.

Die Jugendlichen haben an dem Projekt „Young Eco Heroes“ der Hochschulallianz Eureca-Pro teilgenommen. 46 Schülerinnen und Schüler aus Polen, Griechenland und Deutschland – also Hartha – kamen auf dem Campus der Hochschule Mittweida zusammen, um dort die Ergebnisse ihrer sechsmonatigen Projektarbeiten zum Thema Nachhaltigkeit zu präsentieren.

Harthaer Schüler entwickeln eigenes Kochbuch

„Uns wurde davon in der Klasse erzählt“, sagte Jasmin aus Hartha. Sie lerne gerne Menschen und andere Kulturen kennen, hat auch einen Freund in Kolumbien, und wusste direkt, dass sie an dem Projekt teilnehmen möchte. „Größtenteils habe ich wegen der Connection mit den anderen Ländern teilgenommen, aber mir ist es auch wichtig, auf die Umwelt zu achten“, erzählte sie. Ihr Mitschüler Max schließt sich dem an: „Für mich war das Hauptargument, dass es um die Umwelt geht, aber auch der kulturelle europäische Austausch.“

In den vergangenen sechs Monaten haben sich die Schüler ihren Projekten gewidmet. Am Harthaer Gymnasium ging es um die „Farm to Fork“-Strategie. Die Schüler haben vom Hof bis zum Teller auf die gesamte Wertschöpfungskette von Lebensmitteln geblickt. Da kam innerhalb der Gruppe schnell die Idee auf, ein Kochbuch zu schreiben. „Es gibt viele Sachen, die zu Hause schnell verschwendet werden. Deshalb haben wir nach Rezepten gesucht, bei denen man solche Zutaten schnell verarbeiten kann“, sagte die 16-Jährige weiter.

Die Gruppe aus der polnischen Stadt Mikołów hat sich mit den Auswirkungen des übermäßigen Konsums und dem Wert der Wiederverwertung auseinandergesetzt. Sie haben gelernt, wie Abfall durch Kreativität und Bewusstsein für die Umwelt ein zweites Leben haben kann. „Sie haben einen Workshop erarbeitet, wie aus Müll Kunst wird“, erklärte die polnische Lehrerin Katarzyna.

Zum ersten Mal hatten sich die Schüler vor einem halben Jahr online gesehen. Dort wurden die Ideen vorgestellt, in Mittweida wurden sie schließlich präsentiert. Die griechischen Schüler aus Chania beschäftigten sich mit Fast Fashion.

Eine der Schülerinnen, Miranda, erzählte, dass sie in der Woche Sprachkurse hatten und ein bisschen Deutsch gelernt und verschiedene Spiele gespielt haben. Für viele der Austauschschüler war es das erste Mal in Deutschland.

Jasmin und Max waren die einzigen, die nicht mit ihren Landsleuten auf einem Zimmer waren. Jasmin teilte sich ein Zimmer mit der Griechin Sofia, Tom mit Tomek aus Polen. Als klar war, dass sie sich die Zimmer teilen, tauschten die Schüler ihre E-Mail-Adressen aus. „Am Anfang haben wir geschrieben, aber irgendwann hat das irgendwie nicht mehr funktioniert und deswegen dachten wir, dass die andere Person einen nicht mag“, sagt Jasmin.

Das Missverständnis hatte sich aber schnell geklärt, als sie sich persönlich getroffen hatten. „Wenn ich die Wahl hätte, mit einer Griechin oder mit jemandem aus meiner Klasse ein Zimmer zu teilen, dann würde ich noch mal die Griechin wählen, weil da so lustige Gespräche entstanden sind“, sagte sie weiter.

Schüler bleiben im Kontakt

Auch Tom fand es gut, ein internationales Zimmer zu teilen. Dadurch seien die kulturellen Unterschiede noch mal viel deutlicher geworden. „Die Polen wussten zum Beispiel nicht, dass unsere Plastikflaschen Pfand haben“, sagte er. Der 17-Jährige fand es überraschend, dass sich da die kulturellen Unterschiede zeigen, obwohl Deutschland und Polen Nachbarn sind. Auch die griechische Schülerin Miranda sagte, dass der persönliche Kontakt mit den anderen Schülern und Schülerinnen ihr gut gefallen hat.

„Wir bleiben auf jeden Fall im Austausch“, sagte Max. Jasmin habe die Handynummer von ihrer Zimmernachbarin bekommen und mit vielen anderen Kontakte ausgetauscht. „Sofia meinte auch, dass wir das hinbekommen müssen, uns außerhalb von dem Projekt zu treffen“, ergänzte sie.

Das war die erste Ausgabe des Projekts. „Unsere griechischen Partner sind auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir ein Projekt mit Schülern ins Leben rufen wollen“, sagte Maria Speck von der Hochschule Mittweida, die das Projekt mit koordiniert. Polen wurde noch als dritter Allianzpartner ins Boot geholt. „Dann sind wir losgezogen und haben nach Schulen gesucht, die mit uns kooperieren würden. Das war teilweise gar nicht so einfach, weil das auch ein großer Workload für die Lehrenden ist“, sagte Speck weiter. Insgesamt haben sie ein Jahr daran gearbeitet, ein halbes Jahr davon waren die Jugendlichen involviert.

Erfolgreiches Pilotprojekt und Hoffnung auf Fortsetzung

„Wir wollten damit Europa zusammenbringen, aber die Schüler haben auch gelernt, wie Gruppenarbeiten und Präsentationen funktionieren“, sagte sie. Nicht nur die Nachhaltigkeitsthemen standen damit im Fokus, sondern auch das. Eine Lehrerin aus Griechenland, ergänzte, dass das Ziel gewesen sei, dass die Schüler realisieren, wie kleine Änderungen einen großen Einfluss auf die Umwelt haben können.

Laut den Schülern, Lehrern, aber auch Maria Speck war der erste Versuch ein voller Erfolg. „Ich hatte gehofft, dass es schön wird, und ich muss sagen, ich bin selbst positiv überrascht, wie enthusiastisch alle da rangegangen sind und wie kreativ sie waren.“

Speck hofft sehr, dass das Projekt im kommenden Jahr mit den selben Schülern fortgesetzt werden kann. Dann soll es nach Griechenland gehen. „Es steht noch nicht ganz fest, aber wir beten alle dafür“, sagte Jasmin.